< Österreichisch-Bayerischer Bauerntag 2015 auf der Rieder Messe

Abentung zu AK-Preisvergleich: Nur die Bauern schauen durch die Finger

Laut FAO Lebensmittel so billig wie nie zuvor – Preispolitik auf dem Rücken der Bauern


(c)inpublic

Gestern meldete die Welternährungsorganisation FAO, dass allein im August die Lebensmittelpreise um 5,2% (gegenüber dem Vormonat) gesunken sind. Das sei der stärkste Rückgang seit der globalen Finanzkrise, so die FAO. Ein österreichischer Haushalt wendet rund 11% des Einkommens für Lebensmittel auf – das ist ein historischer Tiefststand, gleichzeitig landen jährlich rund 12 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Nase im Müll. „Allesamt Fakten, die von der Arbeiterkammer leider geflissentlich und konsequent ignoriert werden, wenn einmal mehr Preisunterschiede zwischen Wien und Berlin aufgelistet werden, wonach etwa Berliner Milch im Geschäft nur 0,51 Cent kostet oder deutsche Hendlhaxen bereits um 2,64 Euro zu haben sind. Haben die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer eigentlich schon einmal über den Wert und die Qualität von Nahrungsmitteln nachgedacht?“, fragt sich Bauernbund-Direktor Johannes Abentung kopfschüttelnd.

 

Schleudern unter dem Einstandspreis ist kartellrechtswidrig


„Ist es nicht pervers, wenn ein Liter Milch um 0,51 Cent verkauft wird? Nachdem in den letzten Monaten beinahe täglich darauf hingewiesen wurde, dass bei 0,30 Cent Bauernmilchgeld die heimischen und europäischen Bauern auf Verlust wirtschaften? In Österreich wäre ein Preis von 0,51 Cent übrigens hart an der Einstandspreis-Schwelle und damit möglicherweise kartellrechtlich anfechtbar“, klärt Abentung auf. Im Falle der Handelskette Penny, die im September 2014 gentechnikfrei produzierte österreichische Trinkmilch um 0,49 Cent verschleudert hat, hat der Österreichische Bauernbund eine solche Klage bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) eingebracht. Das Verfahren läuft.

 

AK-Konsumentenschützer haben Blick für Werte, Nachhaltigkeit und regionale Wirtschaft verloren


Wie billig können Lebensmittel eigentlich noch sein? Was will die Arbeiterkammer den Konsumenten mit ihren Preisvergleichen eigentlich mitteilen? Dass 1 Kilogramm österreichische Hendlhaxen, die mit weit höheren Tierschutzauflagen erzeugt wurden, um 6,28 Euro zu teuer seien? Dass ein deutscher Preis von 2,64 Euro hingegen gerechtfertigt sei? Egal ob bei Milch oder bei Fleisch, die deutsche Herstellerkalkulation ist eine andere. „So liegt etwa der Stalldurchschnitt eines Milchviehbetriebes in Brandenburg oder Mecklenburg bei mehr als 300 Kühen, in Österreich bei durchschnittlich 20 Kühen. In Deutschland wird etwa mehrheitlich Gentech-Milch produziert, ganz im Gegensatz zu Österreich, wo flächendeckend gentechnikfreie Milch verarbeitet wird. Wer hier keinen Qualitätsunterschied ausmachen kann, hat den Blick für Werte, Nachhaltigkeit und regionale Zusammenhänge offenbar gänzlich verloren. Eine solche Geisteshaltung ist bedenklich“, meint der Bauernbund-Direktor.

 

Deutscher wie österreichischer Lebensmittelhandel diktiert Billigpreise


Trotz aller Produktionsunterschiede werde aber den österreichischen Verarbeitern von österreichischen Ketten, die entweder deutsche Konzernmütter haben oder, im Falle der österreichischen Handelskette Spar, mit Töchtern deutscher Konzernmütter konkurrieren, der deutsche Preis diktiert. „Das heißt nichts anderes, als dass die österreichische Qualität nicht bezahlt wird. Um endlich Transparenz in die Preisbildung zu bekommen, haben wir vor zwei Wochen eine neue Behörde, die Agrarmarkt-Control, gefordert. Dass sich die Bauern nicht die Butter vom Brot nehmen, ist inzwischen allgemein bekannt. Trotzdem, die Preisspirale nach unten dreht sich immer weiter“, ergänzt Abentung. „Wenn österreichische Qualität nicht bezahlt wird, dann wird es über kurz oder lang keine österreichische Qualität mehr geben. Schlecht für die Bauern, schlecht für die Konsumenten. Und auch die Arbeitsplätze, die an dieser österreichischen Produktion hängen, werden verschwinden. Vielleicht ein Aspekt, den die Arbeiterkammer in ihre platten Städtepreisvergleiche miteinbeziehen sollte. Oder werden die freigesetzten österreichischen Arbeiter dann auch in Berlin weiterbeschäftigt?“, fragt sich Bauernbund-Direktor Abentung abschließend.