< Jakob Auer: Bestbieter-Prinzip stärkt heimische Betriebe und sichert Arbeitsplätze

Auer: „Heimisches Einkommensminus gegenüber Deutschland besser abgefedert“

Wieder Minus bei Bauern-Einkommen – Preisdruck auf einzelne Branchen massiv


(c) Bauernbund

Nimmt man die Einkommensschätzung der Statistik Austria zum landwirtschaftlichen Einkommen, wird die österreichische Landwirtschaft 2015 zum vierten Mal in Serie ein Minus in Kauf nehmen müssen. Laut der heute veröffentlichten vorläufigen Statistik verdient die Landwirtschaft um minus 2,6% weniger als im Vorjahr 2014. Basisdaten für diese Vorausschätzung liefern die Zahlen der buchführenden Betriebe. Schon im Vorjahr war das Einkommen der sogenannten „Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung“ um minus 5,7% (2014), im Jahr 2013 gar um minus 10,4% gesunken, 2012 waren es ein nicht weniger unerfreuliches Minus von 5,2%. „Die Situation für die heimische Landwirtschaft ist anhaltend schwierig. Seit eineinhalb Jahren weisen wir darauf hin, dass einerseits das Russland-Embargo und andererseits das Marktversagen im Lebensmitteleinzelhandel wie Großhandel die heimische Landwirtschaft massiv unter Druck setzen. Der Preisdruck im Absatz hält weiter an, wobei besonders Milch und Fleisch, hier Schweinefleisch, teils existentiell betroffen sind. Auch die sinkenden Betriebsmittelpreise etwa für Treibstoffe, Dünger, Pflanzenschutz oder Futtermittel wirken nur dämpfend und können die Abwärtsspirale nicht aufhalten“, kommentierte Bauernbund-Präsident Jakob Auer in einer ersten Stellungnahme.


Österreichische Agrarpolitik federt Einkommensminus besser ab als Deutschland


Vor diesem Hintergrund positiv wirken sich in Österreich insbesondere der hohe Grad an öffentlichen Umwelt-, Bergbauern-, Tierwohl- und Klimazahlungen für die Landwirtschaft, der starke Bioanteil, Qualitätsprogramme oder die typische Kleinstrukturiertheit der heimischen Landwirtschaft aus. „Die im Vergleich höheren Zahlungen für unsere Almen und abgelegenen Täler halten die dort ansässigen Bauernhöfe stabil. Umso wichtiger war auch, dass die erste Auszahlungswelle noch heuer erfolgt ist. Das ist im EU-Vergleich überhaupt nicht selbstverständlich“, unterstreicht Auer den Verdienst von Bundesminister Andrä Rupprechter. „Österreichische Betriebe sind – gegenüber Deutschland – wesentlich breiter aufgestellt und weniger spezialisiert. Obwohl unsere Bauernhöfe unter den Preissprüngen leiden, sind sie doch weniger anfällig als hochspezialisierte Betriebe.“ Deutsche Milchviehhalter müssen 2014/15 etwa ein Minus von 44% verkraften, bei der Rindermast sind es minus 35%, im Schweinebereich bricht ebenfalls ein Drittel des Einkommens weg. „Sowohl die starke Bioproduktion als auch die kleinstrukturierten Generationenhöfe verhindern, dass wir deutsche Verhältnisse haben. Gegenüber unseren deutschen Nachbarn sind auch die steuerlichen Rahmenbedingungen in Österreich günstiger“, erinnert Auer. „Auch die jüngste Steuerreform wird trotz unerfreulicher Neuerungen bei der Registrierkassenpflicht oder den Umsatzsteuersätzen prinzipiell eine spürbare Entlastung bringen, von der vor allem 96.000 Nebenerwerbsbauern profitieren“, bekräftigt Jakob Auer.