< „Die Zukunft neu einfärben“ - Programm zu wesentlichen agrarischen Zukunftsfragen präsentiert

Bundesbauernrat in Salzburg: „Manifest der Bäuerinnen“ an Agrarspitze übergeben

Neue Risikoversicherung bringt Sicherheit – Russland-Embargo muss abgemildert werden – Bauernbund-Wahlkampfauftakt für Andreas Khol


(c)Bauernbund

Unter dem Motto „Die Zukunft neu einfärben“ tagte heute, Samstag, in Hof bei Salzburg, bei einem Bundesbauernrat das höchste Gremium des Bauernbundes. Dieses besteht aus Delegierten und Gästen aller 9 Bundesländer. Gut 300 Teilnehmer waren zusammengekommen, um von den Bäuerinnen ein Programm zu den wesentlichen agrarischen Zukunftsfragen präsentiert zu bekommen. Die Grundzüge des Programmes wurden als „Manifest der Bäuerinnen“ an die Agrarspitze überreicht. Dabei greifen die Bäuerinnen die akute Problemlage in der Land- und Forstwirtschaft auf: angesprochen wurden etwa der Preisverfall, die Schuldenfalle durch teure Investitionen oder auch der verschwindende Anteil an der Wertschöpfungskette.


Für Bauernbund-Präsident Auer ist klar: „Was uns die Bäuerinnen heute auf den Tisch gelegt haben, zeigt, dass es für die Zukunft sträflich wäre, auf die Fähigkeiten der Frauen zur Problemlösung zu verzichten.“ Auer geht seinerseits auf Probleme ein: „Die Landwirtschaft steht unter Druck – wirtschaftlich, gesellschaftlich, moralisch. Der Konsolidierungsdruck ist stark. Dieses Manifest ist ein Auftrag, realistische Ideen für mehr Marktfähigkeit, über alle Sektoren hinweg, auf ihre Machbarkeit zu überprüfen“, sagt Auer am Bundesbauernrat zu, die Problemstellungen in einer neuen, paritätisch besetzen Plattform zu diskutieren. Eine möglichst hohe Beteiligung aus allen Sparten, Altersklassen und Interessenslagen sei ausdrücklich erwünscht. Die Landwirtschaft habe generell gute Perspektiven: „Aber die Zukunft schaffen wir nur gemeinsam. Für Alleingänge ist der Wind am globalen Markt viel zu scharf. Um uns herrschen die Gesetze des globalen Marktes und der Marken.“

 

Markenentwicklung verstärken


Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann fasst die Kernforderungen des Manifestes zusammen: „Wir Bäuerinnen sind überzeugt, dass wir wirksame Konzepte brauchen, um für unsere Produkte bessere Marktpreise zu erzielen. Mittelfristig müssen wir über Alternativen zu Konzernmarken nachdenken. Mit der hohen Anerkennung, die Bäuerinnen und Bauern in der Gesellschaft genießen, würden andere schon jetzt gute Geschäfte machen, stellt die Bundesbäuerin fest. Was im Geschäft für Nahrungsmittel bezahlt wird, kommt allerdings nur zum geringen Teil auf den Höfen an, kritisiert Schwarzmann. „Warum? Weil wir unsere Erzeugnisse ab der Stalltüre in die Anonymität verabschieden. Anders als jedes Marketing-Buch lehrt, behandeln wir unsere Milch, unser Fleisch wie Stiefkinder.“


„Die Landwirtschaft bleibt auf ihren Kosten sitzen“, kritisieren Schwarzmann und Auer unisono. „Der Bauer ist der Einzige, der keine Rechnung stellt.“ Dabei sei sich die Landwirtschaft ihrer Verantwortung zu bedingungsloser Qualität bewusst. „Zu all diesen Fragen, wie wir produzieren wollen und auf welche Art wir investieren sollen, brauchen wir aber eine Auseinandersetzung, die heute beginnt“, gibt Schwarzmann das Startsignal für einen mindestens einjährigen vertieften Diskussionsprozess innerhalb der Bauernschaft.


Für Bauernbund-Direktor Hannes Abentung gibt es kaum eine Entwicklung am bäuerlichen Betrieb, die nicht von den Frauen mitentschieden würde. Rund die Hälfte der Chefs auf den Bauernhöfen seien Frauen. Was den Stellenwert der Frauen in unruhigen Zeiten noch höher macht: „Die Bäuerinnen haben ein viel genaueres Sensorium dafür, dass die Lebensqualität sehr eingeschränkt wird. Wo wir neue Lösungen suchen, die nicht im Immer-mehr, sondern im Immer-Besser bestehen, müssen Bäuerinnen und Bauern an einem Strang ziehen."

 

Teufelskreislauf wird durch Investitionen und auch gesellschaftlichen Druck verschärft


Zugleich wurde am heutigen Bundesbauernrat von den Delegierten ein „Standortsicherungspaket für die Land- und Forstwirtschaft“ verabschiedet.  In der Resolution werden etwa eine Risikoversicherung für Ernteausfälle, eine Exportoffensive und Qualitätsstrategie, eine Vorwärtsbewegung in den Wirtschaftsbeziehungen zu Russland sowie eine Ausweitung des Bestbieterprinzips bei der nächsten Novellierung des Bundesvergabegesetzes gefordert.


Auer zeigt sich realistisch, was die Einflussgrenzen der Politik anlangt: „Was die bäuerlichen Betriebe durch den Preisverfall am Markt verlieren, vor allem bei Milch und Schweinefleisch, können wir allein durch Kompensationen der öffentlichen Hand nie und nimmer wettmachen.“ Dennoch habe die Politik ihrer Aufgabe nachzukommen, einem systemrelevanten Sektor wie die Landwirtschaft, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Auer nennt beispielsweise die neue Risikoversicherung, die mehr Sicherheit bei unvorhersehbaren Ernteausfällen bringen wird. Weiters müssen die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland verbessert und das Embargo abgemildert werden: „Der Boykott kostet allein den heimischen Schweinesektor jährlich eine Million Euro.“

 

Andreas Khol ist der „logische Bundespräsident“


Zugleich bot der Bauernbund heute auch dem ÖVP-Präsidentschaftskandidaten Andreas Khol die Bühne. „Für den Bauernbund ist der Wahlkampf um die Hofburg damit offiziell eröffnet. Wir sind überzeugt, dass wir mit Andreas Khol den logischen Bundespräsidenten stellen“, erklärte Bauernbund-Chef Jakob Auer.

 

 

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