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Von Lila Kühen…

Anfrage einer TV-Produktionsfirma an den Bauernbund


© iStock

Vor einiger Zeit haben wir die Anfrage einer Berliner Produktionsfirma für einen Reportagebeitrag erhalten. Ein großer deutscher Privatsender wollte das entbehrungsreiche Landleben mit einem „Reporter-Selbstversuch“ portraitieren und suchte dafür einen österreichischen Bauernhof. Wir geben zu, wir waren doch ansatzweise schockiert. Es wurde zwar nicht nach Lila Kühen gefragt, aber lesen Sie selbst…

Anfrage der Produktionsfirma

Von: N.K.
Gesendet: Mittwoch, 18. Februar 2015 16:42
An: Bauernbund Österreich
Betreff: Presseanfrage

Sehr geehrte Frau Salzburger, sehr geehrte Damen und Herren,

ich konnte Sie telefonisch leider nicht erreichen und habe nur kurz mit Ihrer Kollegin gesprochen. Darum schildere ich Ihnen vorab schon mal unsere Bitte mal per Mail.
Wir suchen im Zuge von Dreharbeiten für die Sendung …, einen Bauernhof für einen sogenannten Reporter-Selbstversuch und möchten Sie um Ihre Hilfe bitten.
Die Reporterin soll für zwei Tage den Alltag eines Landwirtes nachvollziehen. Wichtig: Es sollte sich um einen möglichst altertümlichen Hof handeln, der auch im 19. Jahrhundert schon so hätte bestehen können. Ziel des Beitrages ist es, die Reporterin in möglichst vielen typischen Situationen zu zeigen, die zum bäuerlichen Alltag gehören, für den modernen Stadtmenschen aber inzwischen vollkommen ungeläufig sind. Es nicht nett und beschaulich sein, sondern es darf durchaus hart und unbequem für die Kollegin werden.
Der Beitrag soll nach Möglichkeit folgende Elemente beinhalten (Wir möchten die Reporterin gerne im Alltag eines Bauernhofes zeigen, d.h. sie die Arbeiten verrichten, die normalerweise auf einem Bauernhof anfallen):

- Kühe melken, Ziegen melken
- Schafe scheren
- Holz hacken
- Eier holen
- Ställe ausmisten
- Hühner rupfen
- Evtl. Tiere schlachten
- Im Heu schlafen
- Korn schroten / Brot backen
- Käse/ Butter herstellen
- Reparatur arbeiten jeglicher Art / Zäune aufstellen etc.
- Gerne alles andere was noch an Arbeiten anfallen würde
- Etc. pp.

Es soll so altertümlich wie möglich sein.
Wenn der Hof zusätzlich noch so abgeschieden ist, dass es keine Stromversorgung und/oder Wasserversorgung gibt wäre das ein zusätzlicher Pluspunkt. (Heizen mit Holz etc.) Fantastisch wäre, wenn der Hof möglichst viele der oben genannten Punkte beinhaltet.
Das Team wird aus vier Personen, der Reporterin, einem Redakteur einem Kameramann und einem Tonassistenten bestehen. (4 Personen insg.) Wir wollen den normalen Tagesablauf so wenig wie möglich einschränken. Kosten werden für den Bauernhof nicht entstehen.
Die Reporterin soll wie oben beschrieben im Heu/Stroh schlafen – das Team, wenn möglich, in „normalen Betten“ bzw. in einem benachbarten Hotel.
Der Dreh soll spätestens nächsten Dienstag (24.02.) stattfinden. Wir würden am Montagabend anreisen und dann gerne Dienstag früh (Hof-Beginn) mit dem Dreh starten. Am Mittwochabend wäre dann Drehschluss. (Dienstag früh bis Mittwochabend insg.)
Vielen herzlichen Dank im Voraus für ihr Bemühen.
Freundliche Grüße
N.K.
REDAKTEUR
XY GmbH für Film- und Fernsehproduktion
Berlin

 

Antwort des Bauernbundes


Von: Salzburger Andrea
Datum: Donnerstag, 19. Februar 2015 16:35
An: N.K.
Betreff: Re: Presseanfrage

Hallo Herr K.!


Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich habe Ihr Ansinnen und Ihren Anforderungskatalog sorgfältig durchdacht. Es gibt für eine solche Art der Produktion genau genommen 2 Möglichkeiten:

einen Hof wie diesen finden Sie heutzutage noch in Moldawien oder den rumänischen Karpaten. Kein Strom, kein Wasser!? Was denken Sie wie Bauern im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa leben und arbeiten, wenn sie eine moderne Lebensmittelproduktion betreiben?
Dort könnten Sie auch gleichzeitig den sozialen Aspekt porträtieren, dass elternlose Kinder unter Umständen die Hofstelle eigenhändig bewirtschaften, um ihr Überleben zu sichern. Gerne kann ich Ihnen den Kontakt zu derartigen Sozialprojekten herstellen, die von österreichischer Seite finanziell und mit Know-how unterstützt werden.

2. Möglichkeit: Irgendeine hoch- oder abgelegene Alm in den Alpen. Dort gibt es trotz der weit fortgeschrittenen Technisierung, ohne die die Arbeit nicht bewältigt werden könnte, mitunter noch sehr vereinzelt Standorte, die "altertümlich" sind. Die Almen sind momentan – zumindest in Österreich - eingeschneit und werden, eben weil es Almen sind, nur im Sommer bestossen – ab ca. Mitte Mai. Also bleibt nur Moldawien.

Die von Ihnen geschilderten "Härtefälle" gehören eben NICHT (mehr) - die meisten Bauern werden sagen "Gott sei dank!" - zum Alltag eines Bauernhofes. Die Arbeit am Bauernhof ist nichtsdestotrotz nach wie vor hart genug. Man muss nicht zwangsläufig ins 19. Jh. zurückblenden, um den sog. "Stadtmenschen" ein Hofleben vor Augen zu führen. Wir haben in Österreich gut funktionierende Familienbetriebe – viele davon sehr klein (so um die 10 ha groß – in Deutschland liegt die durchschnittliche Betriebsgröße bei 60 ha, in den USA bei 170 ha).

Umso mehr bemühen wir uns seitens Bauernbund, aber auch aller anderen Interessenträger, ein zeitgemäßes Bild von Landwirtschaft zu vermitteln. Bei einem pro Kopf Verbrauch von knapp 70 Kilogramm Fleisch pro Jahr, wird das einzelne Huhn nicht mehr von Hand geschlachtet und gerupft. Das wäre ein die Realität wirklich grob verzerrendes Bild. Genausowenig wie man man im Winter Schafe scheren wird … Das leuchtet bestimmt ein. Dasselbe gilt übrigens auch für Zäune oder sonstige Instandhaltungsarbeiten. Wie gesagt, in weiten Teilen Österreichs liegt derzeit Schnee. Die Tiere werden großteils also nicht geweidet, also auch keine Zaunarbeiten (im gefrorenen Boden).
Wenn Sie also die Parameter für den Dreh adaptieren und gemeinsam mit mir einen passenden Hof und eine passende Bauersfamilie finden wollen, dann melden Sie sich bitte nochmals telefonisch. Ich konnte Sie leider auch nicht erreichen.

Beste Grüße nach Berlin.
Andrea Salzburger
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Bauernbund Österreich

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Herr K. hat bisher nicht geantwortet...